Werkstattgespräch "Berufliche Bildung 2025"

Die berufliche Bildung in Deutschland gilt weltweit als beispielhaft und vorbildlich. Sie ist ein entscheidender Faktor für die Qualifikation von Fachkräften, für Zukunftschancen für junge Menschen und für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Die sich verändernde Arbeitswelt stellt die Institutionen der beruflichen Bildung, Betriebe und Beschäftigte vor vielfältige Herausforderungen.

Die FDP-Landtagsfraktion hatte deshalb zu einem Werkstattgespräch über die Zukunft der beruflichen Bildung eingeladen. Im Fokus stand dabei vor allem die Frage, wie die berufliche Bildung im Zuge der Digitalisierung didaktisch und fachlich weiterentwickelt werden kann.

Unser stellvertretender Fraktionsvorsitzender Ralf Witzel machte in seiner Begrüßungsrede die Marschrichtung der NRW-Koalition deutlich: „Wir wollen die Weichen im Land so stellen, dass die berufliche Bildung den Stellenwert genießt, der ihr zusteht.“

An die Adresse der Lehrkräfte und Ausbilder gerichtet betonte Martina Hannen, unsere Sprecherin für schulische Aus- und Weiterbildung, dass es unser Ziel ist „mehr Freiraum für die wichtige Arbeit vor Ort zu schaffen“. Durch den schrittweisen Aufbau regionaler Berufsbildungszentren „wollen wir Ihnen vor Ort einen Instrumentenkoffer geben, der Ihren individuellen Bedürfnissen entspricht und Freiräume schafft“, so Martina Hannen weiter.

Robert Schweizog, Geschäftsführer Bildung und Fachkräfte der IHK NRW, Dr. Maribel Illig, Geschäftsführerin der Handwerkskammer OWL und Leiterin der Abteilung Berufsbildungszentrum und Hilmar von Zedlitz-Neukirch, Vorsitzender des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen gaben spannende Impulse für die anschließende Diskussion.

Robert Schweizog betonte zu Beginn seines Impulses, dass aus seiner Sicht „die duale Ausbildung besonders geeignet ist, auf Wirtschaft 4.0 vorzubereiten“. Er machte aber auch deutlich, dass die Halbwertszeit von Kompetenzen immer kürzer würde und sich damit zwangsläufig auch die Abstände zwischen Phasen der Aneignung von Kompetenzen verkürzen müssten. Die logische Konsequenz für ihn: „Aus- und Weiterbildung müssen in Zukunft mehr zusammen gedacht werden“.

Dr. Maribel Illig griff diese These auf: „Wir brauchen das lebensbegleitende Lernen“. Als Vertreterin eines privaten Berufsbildungszentrums lenkte sie den Blick aber auch auf die praktische Umsetzung vor Ort. „Die infrastrukturellen Grundlagen der Digitalisierung müssen erstmal vorhanden sein“, erklärte Illig. Erst dann sei es möglich, den Mehrwert digitaler Bildung zu vermitteln. Eine Chance für eine Steigerung der Attraktivität sah sie in gewerke- und bildungseinrichtungsübergreifenden Projekten, wie beispielsweise dem Bau eine Elektro-Go-Karts. Dafür brauche es aber mehr Flexibilität in den Rahmenbedingungen.

Hilmar von Zedlitz-Neukirch gab aus der Sicht der Berufskollegs zu bedenken, dass vor allem „die datenschutzrechtlichen Fragen geklärt werden müssen“. Aus seiner Praxiserfahrung berichtete er, dass die junge Generation bei der individualisierten Form des Lernens schon deutlich weiter sei als die Schulen. In Richtung der Politik sagte er: „Die notwendige Vernetzung und Zusammenarbeit kann nicht zentral gesteuert werden, sondern muss vor Ort mit Freiraum umgesetzt werden.“ Damit neue Formen des Lernen vor Ort erfolgreich umgesetzt werden könnten, benötigten die Lehrerinnen und Lehrer aber Unterstützungsleistungen, damit sie sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren könnten.

Im Anschluss entstand eine lebhafte Diskussion, an der sich die zahlreichen Gäste beteiligten. Dabei wurde deutlich, dass die neuen technischen Möglichkeiten aus Sicht der Lehrkräfte vor allem für eine Individualisierung der Lernabfolgen genutzt werden sollten. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass für eine erfolgreiche Digitalisierung der Bildung das Thema der Lehrerfortbildungen noch stärker in den Fokus genommen werden muss.

Martina Hannen zog ein positives Fazit am Ende der Veranstaltung und bedankte sich herzlich für ein sehr gelungenes Werkstattgespräch: „Die große Beteiligung und die vielen guten Anregungen zeigen deutlich, wie sehr Sie alle für die berufliche Bildung brennen.“

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