Keynote zur Preview von "die perfekte Kandidatin"

Zur Preview des Films "Die perfekte Kandidatin" der saudi-arabischen Autorin und Regisseurin Haifaa Al Mansour im Bielefelder Lichtwerk weißt Martina Hannen in Ihrer Eröffnungsrede auf die Situation von Frauen in Saudi-Arabien hin.

"Der Film und die Entwicklungen in Saudi-Arabien geben aber Grund zur Hoffnung, dass bestehende, diskriminierende Strukturen aufgebrochen werden können und selbst in einer so konservativen Gesellschaft Erfolge für die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu erzielen sind" erklärt Martina Hannen weiter.

Bei aller weltweiter Diskriminierung und Ausgrenzung von Frauen dürfen wir aber auch nicht die Augen vor den Problemen im eigenen Land verschließen. Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, haben sich Frauen vor ein bis zwei Generationen auch in Deutschland hart erkämpfen müssen. Zwar durften Frauen am 19. Januar 1919 zum ersten Mal aktiv und passiv an Wahlen teilnehmen, ein eigenes Konto eröffnen und selbst über Art und Umfang einer Arbeit entscheiden durften Frauen erst ab 1958 und erst 1977 wurde die gesetzliche Aufgabenteilung in der Ehe abgeschafft. Bis dahin musste ihre Arbeit mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar sein. Und auch die Vergewaltigung in der Ehe ist in Deutschland erst seit dem Jahr 1997 strafbar. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie langsam gesellschaftliche Transformationsprozesse vonstattengehen .

Auch heute kämpfen Frauen in Deutschland mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen, niedrigeren Löhnen, einer ungleichen Verteilung der Sorgearbeit und sexuellen Übergriffen. Frauenrechte sind nicht nur im Ausland ein wichtiges Thema. Auch, wenn wir in Deutschland eine rechtliche Gleichstellung der Geschlechter erreicht haben, zeigt sich im Alltag ein differenziertes Bild. Hier gilt es weiterhin Aufklärungsarbeit zu leisten, verkrustete Strukturen aufzubrechen und Frauen und Mädchen zu stärken. Der Film von Haifaa Al Mansour ist hier ein gutes Signal und eine Gelegenheit, sich auch der Situation in unserem Land zu widmen."

 

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